Roddy Doyle - Oh Play That Thing

Im Gegensatz zu A Long Way Down habe ich an Oh Play That Thing eine ganze Weile gelesen, so locker drei Monate in denen ich einerseits einfach nicht dazu gekommen bin aber auch ehrlich gesagt nicht sooo gefesselt war von dem Buch.


Der Nachfolger von A Star Called Henry ist der zweite Teil der Last-Roundup Trilogie (deren dritter Teil noch nicht erschien oder geschrieben ist, so wie ich das verstehen) von Roddy Doyle über die Abenteuer von Henry Smart.


Nachdem Henry eine Kindheit in Armut in den Slums von Dublin überlebt hat und den Wirren der irischen Freiheitskampfes entkommen konnte, flieht er vor seinen ehemaligen Weggefährten bei der IRA - die keinen Bedarf mehr an seinen Diensten haben und die sich durch das wetwork das er für sie erledigt hat lediglich belasten könnten - nach New York

Amerika der späten 1920er, Zeit der großen Gangsterbosse, der Prohibition, des Alkohol-Schmuggels und wieder ist Henry Smart mitten drin und trifft einige der großen dieser Zeit. Nach einigen Problemen mit lokalen Gangsterbossen und der Flucht auf das Land, trifft er in Chicago Louis Armstrong und wird dessen "weißer Mann", der ihm Türen öffnet, die sonst für einen Farbigen verschlossen bleiben würden.

Henry durchlebt mit ihm die Goldenen Zwanziger, bis zum schwarzen Freitag und der Weltwirtschaftskrise und wird dann doch wieder von seiner Vergangenheit eingeholt, denn sowohl alte Bekannte aus Irland als auch neue Feinde in den Staaten wollen Henry tot sehen.


Gegen A Star Called Henry fällt Oh Play That Thing deutlich ab. Der erste Teil der Trilogie war glaubhafter, war enger an einem einzelnen Handlungsstrang und hatte dabei Kontakt zu wahren Personen und Ereignissen, der zwar fiktiv aber doch realistisch war. Charaktere wie der Henry Smart, den Roddy Doyle entstehen lässt, sind sicherlich zu Dutzenden Teil der Easter Risings gewesen.

Oh Play That Thing nimmt sich für meinen Geschmack zu viel vor und schafft es dadurch nicht, seine Ziele konsequent zu erreichen. Handlungstränge aus dem ersten Teil werden wieder aufgegriffen und verflochten mit neuen Figuren befüllt und innerhalb des Buches wieder aufgenommen.

Die "Kontaktpunkte" zur wahren Zeitgeschichte sind vielfältig und weniger thematisch konzentriert, es scheint als hätte Roddy Doyle Blut Geschmack gefunden am vermischen der Geschichte mit der Fiktion und es dabei leider ein wenig übertrieben, zu Lasten seiner eigenen fiktiven Geschichte.

Insgesamt wird das Buch weniger glaubhaft und nimmt gerade gegen Ende so ein rasantes Tempo an, dass die Zeit wirklich nahezu verrinnt, Jahre um Jahre vergehn pro Seite und am Ende des zweiten Teils ist der zweite Weltrieg vorbei und Henry Smart ist in seinen Vierzigern und hat die Goldenen Zwanziger, die Weltwirtschaftskrise, das Hobo Dasein und das Leben als Wanderarbeiter (wie in Steinbecks Früchte des Zorns) erlebt.

Fazit: Es kommt nicht an den ersten Teil ran, zusammen machen beide aber Lust auf den dritten Teil, v.a. da ein netter Cliffhanger von Roddy Doyle eingebaut wurde.